Um die Ecke gedacht.

Oder: Wie alles begann.

Ein 17-jähriger Berliner in Italien. Spricht deutsch, aber leider kein Italienisch.
Schade. Dasselbe erfährt er in Frankreich. Und in England genauso. Viel Verbales passiert also nicht. Aber: „Ich gewann fast alle Trinkwetten”, hielt der junge Gustav Langenscheidt in seinem Reisetagebuch fest.

Zurück in Berlin, bleibt für ihn der Frust über die fehlende Kommunikation. Ein perfekter Grund, sich einen Französischlehrer zu nehmen. Diesen lässt er jedes Wort so oft und so langsam vorsprechen, dass er es in einer Art Notenschrift für Laute dokumentieren kann. Er erfindet so die Lautschrift. Obwohl es ihn viele Jahre kostet, verfasst er Selbstlernkurse in Form von Unterrichtsbriefen für die französische Sprache. Und weil kein Buchverleger seine Idee so genial findet wie er selbst, gründet er einen eigenen Verlag.

Start-up anno 1856.

Mit diesem Datum, am 01. Oktober, markiert Gustav Langenscheidt mit großem Gründergeist den Beginn einer wunderbaren Erfolgsgeschichte – unserer Geschichte! – auch, wenn seine persönliche Motivation von einer beklagenswerten Erfahrung geprägt war. Danke, lieber Gustav!

Zunächst verschickten wir noch Unterrichtsbriefe zum Selbstlernen. Man schreibt das Jahr 1880, als wir das erste enzyklopädische französisch-deutsche Wörterbuch veröffentlichen. „Sachs-Villatte“ heißt es nach den Autoren Carl Sachs und Césaire Villatte. 17 Jahre zuvor in Auftrag gegeben, geschah bis zur Fertigstellung Einiges: der Suezkanal wird eröffnet, das Deutsche Reich gegründet. Das Jahrhundertwerk ist ein Koloss mit 4.000 Seiten und über 310.000 Stichwörtern und Wendungen. Eine englische Version folgt 1901.

Ziemlich beste Freunde: Technische Errungenschaften und Langenscheidt.

Ein einziges Produkt hat unser Verlag anfänglich in Berlin: Gustav Langenscheidt verschickt an seine Kunden Unterrichtsbriefe als Selbstlernkurse unter dem wohlklingenden Namen „Brieflicher Sprach- und Sprechunterricht für das Selbststudium der französischen Sprache“. Weitere Sprachen folgen: von Englisch im Jahr 1861 bis Hebräisch 1923.

Als Early Adopter setzen wir auf das, was angesagt ist. Deswegen gibt es eine kleine Sensation: Die erste Grammofonplatte für den englischen Selbstsprachunterricht! Diese Neuerung erscheint in Kooperation mit der Deutschen Grammophon-Gesellschaft.

Auch in dieser Ära beweisen wir wieder Trendsetterqualitäten und bringen mit „Langenscheidts Cassetten-Sprachführern“ die ersten Ton-Kassetten im Verlagsprogramm als neues Medium auf den Markt.

Oh, die Achtziger ... Auch wenn die modischen Erscheinungen dieser Jahre nicht wirklich zum Vorbild taugen, so schafft es doch einer, zum Idol Vieler zu werden. Genauer gesagt sogar sehr sehr vieler weiterer tragbarer Geräte für die nachfolgenden Jahrzehnte! Denn wir bringen mit dem „alpha 8 Englisch“ das erste elektronische Wörterbuch der Welt auf den Markt. Wir machen Wörterbuch wirklich mobil.

Es glitzert, es glimmert und wie sollte es anders sein: Mit dem „Taschenwörterbuch Englisch“ erscheint die erste CD-ROM bei Langenscheidt. Damit fremde Wörter keine unbekannten Lernobjekte bleiben.

Man glaubt es kaum, aber es gab eine Zeit, da gab es noch kein World Wide Web. Und diese Internetseite erst recht nicht! Stellen Sie sich jetzt bitte einen kleinen Trommelwirbel vor: Zur Frankfurter Buchmesse des Jahres 1996 wird die Homepage www.langenscheidt.de freigeschaltet.

Das blaue L ist endlich immer und überall verfügbar. Mit den ersten E-Books und Apps gibt es jetzt für jedes Gerät und jede Situation die perfekte langenscheidtsche Entsprechung: Als mobiles Wörterbuch, idealer Wortschatz- und Grammatiktrainer oder als interaktiven Sprachkurs und sogar als Lektüre.

Hat man keine Nachahmer, hat man nichts erreicht.

Langenscheidts Idee ist verdammt gut – finden die Fälscher auch. Dass sein Erfolg Nachahmer anzieht, spürt auch Gustav Langenscheidt. Mit der Eintragung eines Warenzeichens schützt der Langenscheidt Verlag ab 1882 sein Gedankengut vor Ideenklau. Das erste Logo ist ein L vor einer Weltkugel, über der sich drei Hände berühren. Sie symbolisieren Deutschland, England und Frankreich. Alles über die Logos gibt’s übrigens hier zu sehen.

Bitte einsteigen in die langenscheidtsche Zeitmaschine

Eines für alle.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Lerner ihren Helfer auch unterwegs dabei haben wollten: So entsteht 1903 das Taschenwörterbuch! Herrlich handlich im Format trifft es den Nerv der Zeit. Und noch eine smarte Neuerung passiert: Das unverwechselbare L ziert zum ersten Mal das Cover. Und es bleibt.

Die Erfindung von Motoren und Autos machen das Unterwegssein immer attraktiver. Die neue Faszination Mobilität treibt alle Neugierigen in die Welt. Doch auch unterwegs möchte man nur ungern auf dem Schlauch stehen: Dafür gibt es ab 1912 die neuen Langenscheidt Sprachführer. Die thematisch gegliederten Wortschätze helfen, sich überall zu verständigen.

Auf die Koffer, fertig, los!

Der Werbetext einer Anzeige, die wir vor rund 90 Jahren veröffentlichten, formulierte es so: „Format 7,5 x 10 cm – also klein, handlich, leicht in der Rocktasche oder im Stadtkoffer unterzubringen. Ideal für die Reise.“ Was für unsere Ohren heute fast amüsiert, war 1930 eine kleine Revolution: die Einführung der Reihe „Langenscheidts Universal-Wörterbücher“. Mit Englisch und Französisch geht es los, bis heute sind es über 30 Sprachen.

Von der Spree an die Isar

Bewegte Zeiten für uns alle. Doch es geht weiter. Als im Morgengrauen des 13. August 1961 die ersten Mauerblöcke in Berlin errichtet werden und die Stadt teilen, verändert dieses Ereignis das Leben der Menschen für beinahe drei Jahrzehnte. Wir reagieren auf den Mauerbau mit der Gründung eines zweiten Firmensitzes in München. Unser Verlag zieht um.

Gegen die Sprachlosigkeit

Jeder Mensch kennt das: Diese unangenehmen Situationen, in denen einem die Worte fehlen. Damit jedoch nicht die fehlenden Sprachkenntnisse sprachlos machen, unterstützen wir bis heute Menschen, die Deutsch lernen wollen. Das Jahr 1979 markiert den Startpunkt, an dem wir Deutsch als Fremdsprache ins Programm aufnehmen.

Des einen Freud, des andern Leid: das Jugendwort des Jahres.

Die Wahl zum Jugendwort des Jahres dokumentiert die aktuelle Jugendsprache. Wir organisieren sie ein Mal pro Jahr als Initiatoren. Und eine bunt durchmischte Jury, in der auch viele Jugendliche sitzen, wählt aus den eingereichten Vorschlägen in Bezug auf sprachliche Kreativität, Originalität und Verbreitungsgrad des Wortes. PS: Gammelfleischparty bezeichnet eine Ü30-Party.

Das ständige Absinken des Niveaus, aus dem Ruder laufende Partys und sinnlose Gespräche unter Jugendlichen, kletterten in diesem Jahr auf das Siegertreppchen.

Für alle, die es zwar schon mal gehört haben, aber die Abkürzung nicht aufschlüsseln konnten: „You only live once“ bedeutet zum einen die Aufforderung, eine Chance zu nutzen und zum anderen eine Entschuldigung für falsches Verhalten.

Boss, Anführer, Chef. Der Begriff Babo bedeutet in der deutschen Jugendsprache so viel wie Boss, Anführer oder Chef und wurde ab 2012 im deutschsprachigen Raum durch den Song „Chabos wissen wer der Babo ist“ (=„Die Jungs wissen, wer hier Boss ist“) des Rappers Haftbefehl bekannt.

Diese Falschschreibung von „Ich bin’s“ ist ein typischer Ausdruck der Vong-Sprache. Diesen, Mitte der 2010er Jahre geprägte Sprachstil der deutschen Sprache, charakterisierte eine veränderte Grammatik und viele Anglizismen. Auch nimmt er ironisch Bezug auf die schlechten Deutschkenntnisse vieler Jugendlicher und Erwachsener. Noch ein Beispiel gefällig? „Was ist das für 1 life?“. Äh, ja ..

Von Ausstiegen und Einstiegen

Die Familie Langenscheidt zieht sich im Jahr 2013 aus dem Geschäft zurück, die Günther Holding übernimmt. Wir richten uns neu aus, trennen uns vom Geschäftsbereich „Erwachsenenbildung und Schule“ und verkaufen diesen an den Klett-Verlag. Seit 2014 lenkt Ivo Kai Kuhnt als Geschäftsführer zusammen mit einem ambitionierten Team die Geschicke unseres heutigen Verlages, der Langenscheidt GmbH & Co. KG.

Hungrig auf Neues:

Langenscheidt Digital startet.

Der Bedarf nach digitalem Futter wächst mehr und mehr in unserer Gesellschaft. Die Antwort auf ein verändertes Nutzerverhalten ist daher im Juni 2017, die digitalen Aktivitäten in einer eigenständigen Gesellschaft zusammenzufassen. Somit vereinen wir das Know-how aus über 160 Jahren Erfahrung und die geballte digitale Kompetenz für die Vermittlung von Sprache und Wissen. Und haben innovative Lösungen für all jene, die ihren Wissensschatz mit den modernsten digitalen Methoden vergrößern möchten.

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